Wieso nackt?

Nacktheit bedeutet für mich Ehrlichkeit, ein Selbstsein, Authenzität.

Dies heißt nicht, unbekleidet zu sein, im Gegenteil. Ich bin der Meinung, dass erst die richtige Ausschmückung - sei es Kleidung, Haarschmuck oder eine Betonung des Gesichtes einigen Menschen erlaubt, ihr Inneres nach außen zu leben.

Nackt sein soll ein Wohlbefinden bedeuten, während das eigene Ich offenbart werden kann.

 

Nun begab es sich, vor geraumer Zeit, da absolvierte ich in Dresden mein Fachabitur im Bereich Gestaltung. Ein Genuss war es, zwei Jahre Lebenszeit mit Kunst- und Kulturgeschichte, Malerei, Plastik und Fotografie unter Anleitung zu verbringen. Und noch wunderbarer, dass ich in dieser Zeit meine beste Freundin Lotte kennenlernen durfte, welche sich selbigen Weg ausgesucht hatte. Keine Facette meines Selbst und meiner "Kunst" blieb von ihr unbeleuchtet, sie kennt mich wie kaum ein anderer Mensch.

Während meine Gedanken damals schon in den Wolken der Modewelt hingen, brachte ich in jeder künstlerischen Interpretation hingegen auf irgendeine Art und Weise immer, ungeachtet des Themas, unbekleidete Frauenkörper ein - mir gefiel die von ihnen ausgehende pure Schönheit mit einem Hauch der Irritation und Provokation.

Wie wir nun einmal unsere Werke in einer anonymen Galerie der Klasse präsentieren sollten, flüsterte mir Lotte nach eindringlicher Betrachtung zu: "Ich wusste sofort, welches von dir stammt. Es ist nackt."

Und, noch ohne es zu wissen, hatte sie einen Namen für mein späteres Dasein kreiert.

 

For me, nakedness means honesty, a self-being, authenticity.

 

That doesn’t have to mean being undressed, au contraire. In my opinion only the adequate embellishment - be it clothing, hair accessories or emphasizing the face - allows certain humans to live their mind, their inside outwardly.

 

Being naked should mean welfare while being able to reveal the own self.

 

 

And it came to pass in those days… when I was doing my Abitur in design. It was just an enjoyment spending to years of lifetime with art and culture history, painting, plastic art and photography under guidance. And it turned out even greater when I met my very best friend Lotte who had chosen the same education. There was no facet of myself and my “art” remaining unlighted by her - she knows me as hardly anyone else does.

 

My thoughts were already in the clouds of the fashion sky back then, but furthermore I always used to show undressed bodies of women in all kinds of my artistic interpretations, regardless of the given topic.

I loved the pure beauty coming from them, spiced with breath of confusion and provocation.

 

 

As we once had to present our artwork to class in kind of an anonymous gallery, Lotte came to me after detailed consideration and whispered: “I knew immediately which one is yours. It is naked.” (dt. Es ist nackt.)

 

And so, without knowing yet, she had created a name for my later existence.